Japan 2021 / Regie: Ryusuke Hamaguchi / 179 min / Hidetoshi Nishijima, Reika Kirishima, Toko Miura / japan. Original mit deutschen Untertiteln / FSK: 12.
„Drive my Car“ erzählt in bezaubernd schönen Bildern die Geschichte einer Traumabewältigung. Nach einem tragischen Ereignis muss der Schauspieler Yūsuke Kafuku den Willen wiederfinden, weiterzumachen. In subtilem Schauspiel zeigt uns Regisseur Ryusuke Hamaguchi eine langsame Bewegung zu einem neuen Selbst, die – wie der Titel verrät – zum größten Teil im Auto stattfindet. Die Bilder zeigen Straßen, Schmutz, Neonlicht und Zigaretten – und noch nie haben sie so schön ausgesehen.
Die minimalistische Musik erzeugt eine Atmosphäre, die dem Zuschauer Raum für Katharsis und dem in Cannes ausgezeichneten Drehbuch Raum zum Atmen bietet. Die Selbstfindung des Protagonisten wird dabei parallel zu den Texten des von ihm inszenierten „Onkel Wanja“ erzählt, sodass sich Kunst und Leben gegenseitig durchdringen.
Doch Kafuku unternimmt diese Reise nicht allein: Er wird gefahren. Im Kern ist „Drive my Car“ ein Film darüber, den langen Weg aus sich heraus zum Anderen zu finden. In einer Inszenierung, in der sechs Sprachen gesprochen werden, scheitern die Charaktere oft an Worten. Doch Hamaguchi zeigt uns, dass wahre Kommunikation oft erst dort beginnt, wo die Sprache endet: Beim Sex, in der Kunst, bei einer Umarmung, im gemeinsamen Schweigen, im Zuhören und in der tröstlichen Dunkelheit eines roten Saab 900. Ein leises, tief berührendes Meisterwerk über die Kunst, den Schmerz anzunehmen und schließlich weiterzufahren – Kino in seiner reinsten, menschlichsten Form.
Mit Einführung
Sonderpreis 5€ für Studierende, mit freundlicher Unterstützung des StuRa.