Choreographin Jai Gonzales und Tänzerin Ini Dill nehmen sich Bernard-Marie Koltès‘ Theaterklassiker aus den 1980er Jahren vor, um den politischen Diskurs der gängigen Nachrichtensendungen zu durchleuchten: Was ist ein Deal? Mit welchen rhetorischen Mitteln und Handlungsstrategien wird er angebahnt und welche Wirkung kann er entfalten, nachhaltig und verbindlich? Am 21. und 22. März präsentiert das UnterwegsTheater in der HebelHalle ein neues Stück, das den Text mit den Mitteln des zeitgenössischen Tanzes inszeniert und an aktuelle Diskurse anknüpft.
Deals sind allgegenwärtig. Sie prägen die Abendnachrichten und infiltrieren unser Verständnis von Handlungsspielräumen und Machtkonstellationen. Aber was folgt auf einen Deal, wenn die internationalen Reporter ihre Kameras eingepackt haben? Und was liegt ihm zugrunde, das in die Verlautbarungen und Urkunden nicht festgehalten wurde? Wie schlagen sich Gesetze und politische Normen, gesellschaftliche Werte und ethische Orientierungen in ihnen nieder und wie verändern sie den Alltag von Menschen?
Mit diesen Fragen nähert sich Jai Gonzales einem französischen Theaterklassiker, der sich auf höchst raffinierte Weise einem Deal widmet: Bernard-Marie Koltès lässt in seinem Zweipersonenstück In der Einsamkeit der Baumwollfelder einen Dealer und seinen Kunden im abendlichen Zwielicht am Rande einer Stadt aufeinander treffen und über Verlangen, Preis und Erfüllung verhandeln. Aber bei Koltès kommt der Deal nicht zum Abschluss, sondern gleicht einem Ritual, einer kreisenden sinnstiftenden Vorbereitung auf etwas, das nicht kommen wird und gerade deshalb Halt gibt, denn hier können Sehnsucht und Begehren, Geben und Nehmen, Anerkennung und Demütigung in immer neuen Schleifen aufeinander treffen und schaffen Verbindungen zwischen zwei Menschen in der Dämmerung.
Ein vollzogener Deal hingegen verkürzt und nivelliert. Und er drängt sich ins Zentrum und kommt als Gruppenphoto und Händeschütteln in die Nachrichten, in einem artifiziellen Setting, beziehungslos und unter Ausschluss all jener, die eigentlich betroffen sind. In ihrer Inszenierung geht Jai Gonzales zusammen mit der Tänzerin Ini Dill dieser medialen Dauerpräsenz von kurz undnüchtern zusammengefassten Deals nach und nutzt Koltès Text, um wieder die Dynamik, Vielschichtigkeit und Emotionalität von Verhandlungen in den Fokus zu nehmen und nach ihrer Bedeutung für das menschliche Zusammenleben zu fragen.