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Heidelberger Bierbraukunst

Fragt man Heidelberg-Besucher danach, was sie spontan mit der Stadt am Neckar verbinden, fallen vermutlich sehr schnell Begriffe wie Schlossruine, Studentenkuss und „eine der romantischsten Städte der Welt“. Dabei wissen nur sehr wenige, dass Heidelberg einst eine Hochburg des Brauwesens war. Im 18. Jahrhundert gab es in der Stadt viele kleine Brauereien, von denen die meisten Bier für den Bedarf ihrer eigenen Wirtschaft herstellten. Zwar war um 1900 ein Großteil dieser Brauereien bereits geschlossen. Doch vier Brauereien versorgen Heidelberg noch heute mit dem süffigen Gerstensaft. Ein Blick hinter die Fassade – ins Sudhaus – zeigt: Diese Brauereien sind mehr als ein produzierendes Gewerbe. Hier wird experimentiert und mit den Rohstoffen, die das deutsche Reinheitsgebot vorschreibt, gespielt. „Tradition trifft Moderne“! Alle vier Braustätten haben sich – auf ganz unterschiedliche Weise – diesem Credo verschrieben.

Heidelberger Brauerei: Handarbeit und modernste Technik

Mit seiner 263jährigen Geschichte ist die Heidelberger Brauerei das älteste produzierende Gewerbe der Stadt. Geschäftsführer Michael Mack ist sichtbar glücklich, „dass die Brauerei stets Teil einer so historischen Stadt war“ und seit Generationen eng mit den hiesigen Gaststätten zusammenarbeitet. So unter anderem mit der traditionsreichen Studentenkneipe „Zum Roten Ochsen“. Seit mehr als 175 Jahren im Besitz der Familie Spengel führt Inhaber Philipp Spengel das Lokal bereits in der 6. Generation.

Seit Bestehen der Brauerei wird hier nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Und noch heute fühlt sich Geschäftsführer Michael Mack, der seit über 40 Jahren in der Brauerei tätig ist, diesen Grundsätzen verpflichtet. Für ihn ist das Gesetz keine Beschränkung, sondern „ein spannendes Spiel mit natürlichen Rohstoffen, die seit 500 Jahren vom ältesten Lebensmittelgesetz vorgeschrieben werden. Und das ist auch gut so! Denn Bier ist und bleibt ein Teil der Natur und muss daher geschützt werden.“ Diese Wertschätzung der Natur zeigt sich auch in der Verbundenheit der Braustätte mit der Region. „Alle Rohstoffe werden seit der Gründung regional bezogen“, erklärt Mack – und prompt folgt die Liebeserklärung „Wir, die Heidelberger Brauerei, leben und lieben unsere Region!“ Neben der regionalen Verbundenheit garantiert modernste Technik die saubere und gute Qualität der insgesamt 21 Produkte. So wurde beim weltweiten Pilotprojekt der Heidelberger Brauerei ein technisches Verfahren – „Boreas“ genannt – entwickelt und eingeführt, durch das Energie beim Bierbrauen eingespart und der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich reduziert wird. „Der schonende Umgang mit unseren Ressourcen wird für alle Unternehmen eine der größten Herausforderung der Zukunft sein“, erläutert Mack seine Motivation, in dieses weltweit neuartige Verfahren zu investieren, das in Bezug auf die Brauerei insbesondere eines zeigt: ein modernes und innovatives Unternehmen zu sein, das für die Aufgaben der Zukunft gerüstet ist. Als Ergänzung zur modernen Technik baute Braumeister Lutz Wirsching für zwei Craft Biere extra eine Handbierbrauerei, mit der – über das Tagesgeschäft hinaus –  ganz individuelle Biere hergestellt werden: Das „Urmensch-Bier“, das im Zusammenhang des homo heidelbergensis entwickelte wurde, und ein Jubiläumsbier anlässlich „1000 Jahre Bammental“. Ein „Lutherbier“ für das Lutherjahr 2017 ist bereits angefragt. Alle Informationen zur Brauerei und zu Brauereiführungen unter www.heidelberger-brauerei.de

Kulturbrauerei Heidelberg: Von der Exotik des Bieres

In den Mauern der Kulturbrauerei Heidelberg braute im 18./19. Jahrhundert über mehrere Generationen die Familie Schaaf ihr Bier und noch heute wird für das Wirtshaus „Zum Seppl“, Braumalz gewonnen und Bier gebraut. In einem unterirdischen Gang vom Bierkeller wurde früher das Getränk zu dieser – heute noch überaus beliebten – Studentenkneipe transportiert. Seine imposanten Kronleuchter erinnern daran, dass der Gastraum der Kulturbrauerei einst ein Tanzsaal aus dem 19. Jahrhundert war. http://www.heidelberger-kulturbrauerei.de/

Die Biere, die dem Gast in diesem historischen Ambiente angeboten werden, braut Braumeister Thomas Lamerz aus besten Zutaten. Er gibt ihnen die Lagerzeit, die sie brauchen. Hier wird der Gärung Zeit gegeben. „Die Hefe hat keinen Stress“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Merz. Eine unkontrollierte Gärung, bei der unangenehme Nebenprodukte entstehen, wird damit unterbunden. Alle Biere sind weder filtriert noch pasteurisiert – überall ist noch „lebende Hefe“ drin. Dabei schmeckt keines der jährlich ca. zwölf produzierten Biere wie das andere. „Die Individualität des Bieres ging mit der Industrialisierung verloren“, so Merz. Die Gasthofbrauerei verzichtet deshalb auf die Herstellung des Bieres als industrielles Massenprodukt. Eine ganz besondere Note bekommt jedes Bier durch die Zugabe von Hopfen, den die Kulturbrauerei beispielweise aus Australien, den USA und Neuseeland importiert. Dieser verleiht den Bieren Frucht-Aromen von zum Beispiel Litschi. In diesem Fall handelt es sich um neuseeländischen Hopfen und Merz verrät in diesem Zusammenhang, dass „in Neuseeland erst im Rahmen der Besiedlung Hopfen angebaut wurde. Da es dort kaum Schädlinge gibt, ist ein Anbau ohne Pestizide möglich“. Aromen also von Passionsfrucht, Ananas, Pinie, Orange, Litschi und Grapefruit. Und das alles nach dem deutschen Reinheitsgebot, das auch für die Kulturbrauerei wegweisend ist. „Wenn Brauereien Bier nicht nach diesem Gesetz brauen, dann darf man es einfach nicht Bier nennen“, erklärt Merz abschließend kurz und knapp. Weitere Informationen zur Kulturbrauerei unter www.heidelberger-kulturbrauerei.de

Vetter's Alt Heidelberger Brauhaus: "Die Mischung macht's!"

Herr Vetter Seniors Hobby war das Bier und dessen Herstellung. Aus diesem Grund standen jährliche Besuche im bayerischen Kloster Andechs und auf dem Oktoberfest auf dem Programm. Schon bald war die Idee einer eigenen Brauerei geboren. Im Oktober 1987 eröffnete schließlich in der Steingasse – mitten im Herzen Heidelbergs – das Vetter’s Alt Heideberger Brauhaus. Die erste Gasthausbrauerei Heidelbergs, in der bis heute das eigene Bier gebraut wird. Das Jubiläumsfest zum 30. Geburtstag im kommenden Jahr ist bereits in Planung. http://www.brauhaus-vetter.de/

Insgesamt zehn Biere sind im Angebot des „Vetters“ zu finden und werden morgens in den zwei Kesseln im Gastraum aus regionalen Rohstoffen gebraut und ausschließlich dort verkauft. Da in den Bieren weniger Hopfen enthalten ist, spricht Michael Vetter, Sohn des Brauereigründers und mittlerweile Geschäftsführer, selbst von „Bayerischen Bieren“, an die auch die Speisekarte des Lokals angepasst ist. Hier kann der Gast zu einer Maß Bier Weißwürste und ofenfrische Brezeln genießen. Von den zehn Bieren machte 1994 insbesondere eines von sich reden: Mit 33% Stammwürze schaffte es das „Vetter 33“, das stärkste nach deutschem Reinheitsgebot gebraute Bier der Welt, in das Guinness-Buch der Rekorde. „Unser Bier ist handwerklich hergestellt und das Reinheitsgebot ist für uns aus Tradition verpflichtend“, so Geschäftsführer Michael Vetter. „In Deutschland gibt es über 5000 verschiedene Biere, die mit den gleichen Grundstoffen hergestellt sind, dennoch schmecken sie alle unterschiedlich und insbesondere die kleinen Brauereien bringen Vielfalt und Abwechslung ins Sortiment. Es kommt auf die unterschiedliche Malz-Röstung an und die unterschiedlichen Anteilverhältnisse der einzelnen Zutaten. Wie beim Tee, den man unterschiedlich lange ziehen lässt.“ Dabei findet es Vetter gut für den Gast, wenn die Geschmackspalette auch durch Zutaten außerhalb des Reinheitsgebotes erweitert wird. Nur darf es dann nicht Bier heißen – „genau so wenig, wie vegetarische Wurst, Wurst ist.“ Weitere Informationen zur Brauerei unter www.brauhaus-vetter.de

Brauerei zum Klosterhof: Experimentierfreudigkeit mit und ohne Reinheitsgebot

Gibt es einen passenderen Ort für eine Brauerei als in unmittelbarer Nähe zu einem Kloster? Wohl kaum! Und dennoch ist die Klosterhof-Brauerei die jüngste der vier Heidelberger Braustätten. Obwohl sie erst vor sieben Jahren gegründet wurde, nutzt die Biobrauerei eine historische Tradition, die für die gute Qualität des Bieres ausschlaggebend ist: Quellwasser direkt aus dem Berg, an der sich seit Generationen die Anwohner bedienen. Nicht von ungefähr gab es in Ziegelhausen früher eine Wäscherei – eben wegen des guten Wassers. Nicht nur die Wäsche wurde sauber, sondern das weiche Wasser sorgt heute für einen milden Geschmack des Bieres. http://brauerei-zum-klosterhof.de/

Wie es sich für eine Bio-Brauerei gehört, sind alle Rohstoffe aus biologischem Anbau und aus der Region, um eine gute CO²-Bilanz zu gewährleisten. Pro Jahr werden ca. 3.500 Hektoliter Bio-Bier hergestellt, die alle unfiltriert und daher naturtrüb sind. Das Standardsortiment aus sechs Sorten beinhaltet neben fünf saisonalen Bieren weitere ausgefallene Spezialitäten wie Siegelbiere, die im Sherry-, Brandy-, Barrique- oder Whiskyfass gereift sind. Circa 25 verschiedene Biersorten sind bereits erhältlich und viele weitere in Planung. Dabei würde sich Till Barucco, Assistenz der Geschäftsführung, manchmal wünschen, nicht ganz so sehr den strengen Bedingungen des Reinheitsgebotes Folge leisten zu müssen, „da es auch natürliche Zutaten wie Orangenschalen verbietet. Gewisse Freiheiten und ein Experimentieren mit natürlichen Zutaten wären wünschenswert.“ Diese Liebe zur Experimentierfreudigkeit macht erfinderisch. So wird zusätzlich zum Bier das „Ale“, genauer das HeidALEberg, hergestellt –  darunter beispielsweise das jetzige saisonale „Indian Pale Ale“, ein hopfenbetontes Starkbier. Ein HeidALEberg mit Orangenschalen ist schon in Planung. Doch auch vom „mutigen Experimentieren mit Hopfen-und Malzsorten“ profitiere die Bierlandschaft. Demnach sei das Reinheitsgebot „eine tolle Sache, denn es schützt uns“, stellt Barucco versöhnlich fest. Die kleine Brauerei, die für die anliegende Gastronomie und den Hofladen am Kloster produziert, ist wie die drei anderen Heidelberger Braustätten bei Touristen überaus beliebt: über die Romantikroute des Philosophenweges pilgern jährlich zahlreiche Bierbegeisterte, um an den Brauereiführungen und neuerdings auch an den Bierseminaren teilzunehmen. Alle Angebote zu Bierseminaren, Brauerei- und Klosterführungen unter http://brauerei-zum-klosterhof.de

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